Vertrauen in das Internet sinkt, Besorgnis über Datensicherheit wächst

von Alice Qabel

Repräsentative Befragungen von Internetnutzern (mindestens 1.000 Interviews) seit 2014 zeigen sinkendes Vertrauen in das Internet und den Datenschutz ihrer Regierungen.

Da für den globalen Datenverkehr das US-EU-Privacy Shield-Abkommen vor der Tür steht, dessen vielversprechender Name mit einer Überarbeitung zur Abstimmung stehen wird, hier einige Ergebnisse aus repräsentativen Umfrageergebnissen von 2014 bis 2016.

Das Vertrauen, dass persönliche Daten ausreichend geschützt werden, ist global nur gering.

79 % der Internetnutzer weltweit sind besorgt, dass ihre Online-Aktivitäten und -Informationen kommerziell überwacht, gekauft oder verkauft werden. Im Vorjahr äußerten sich 74 % besorgt, dass ihre Online-Aktivitäten kommerziell aufgezeichnet und gehandelt werden. Nur noch 30 % glauben, dass ihre Regierungen genug tun, um persönliche Daten vor privaten Unternehmen zu schützen. Quelle: CIGI-IPSOS Global Survey *

83 % der Internetnutzer weltweit scheinen ihr Online-Verhalten bereits geändert zu haben, in dem Versuch, die Menge ihrer persönlichen Daten zu kontrollieren. Die einzelnen Abfragen wurden 2016 in der Studie online nicht veröffentlicht. Im Vorjahr zeigte die Studie 28 % Befragte, die selbst zensieren, was sie online sagen; 18 % Befragte, die ändern, mit wem sie kommunizieren und 43 % Befragte, die bestimmte Websites oder Anwendungen meiden. Quelle: CIGI-IPSOS Global Survey *

60 % würden dem Internet mehr trauen, wenn ihre Regierungen ihnen versichern würden, sie nicht zu überwachen (58%) oder zu zensieren (59%). Im Jahr 2014 waren es 64 % der Internetnutzer weltweit, die NICHT glaubten, dass das Internet sehr sicher sei. Und nur 48 % von ihnen glaubten, dass ihre Regierungen dabei einen guten Job machen, das Internet sicherer zu machen. 78 % waren besorgt, dass ihre Bank-Accounts von Kriminellen gehackt werden könnten, 77 % sorgen sich dabei auch um alle Online-Accounts und ihre persönlichen Daten. Quelle: CIGI-IPSOS Global Survey *

* Die globalen Studien 2016 und 2014  CIGI-Ipsos Global Survey on Internet Security and Trust erreichten mehr als 20.000 Internetnutzer in 24 Ländern. Die Studien wurden durchgeführt vom 20. November bis 4. Dezember 2015 sowie vom 7. Oktober bis 12. November 2014.

CIGI - Centre for International Governance Innovation (Kanada) bezeichnet sich als einen unabhängigen und unparteiischen Think Tank, fokussiert auf internationale Regierungsinnovationen, unterstützt von den Gouvernements Kanada und Ontario.

Tendenzen zu Suggestivfragen für mehr Massenüberwachung in der CIGI-Studie 2016 ließen sich nicht eindeutig von der Hand weisen.

Umfrageergebnisse einer nationalen Studie aus Deutschland von DIVSI - Deutsches Institut für Vertrauen und Sicherheit im Internet – eine gemeinnützige Gesellschaft, gegründet von der Deutschen Post AG, lassen tendenziell auch eine wachsende Eigenverantwortung im Umgang mit persönlichen Daten annehmen:

36 % der Befragten stimmten voll zu, dass jeder Internetnutzer selbst verantwortlich sei, was mit seinen Daten im Internet passiere, 23 % stimmten nur eher zu, macht zusammen 59 Prozent.

Ein Drittel der deutschen Internetnutzer wäre bereit, Geld für den Schutz ihrer Daten zu bezahlen. Im Schnitt wäre ihnen dies 41 Euro pro Jahr wert. Quelle: DIVSI-Studie Ware und Währung

Kurz vor der geplanten Abstimmung über das Privacy Shield Abkommen ist es mehr als interessant noch einmal auf ein Plädoyer der EU-Abgeordneten aus dem November 2015 zu schauen: „Die EU-Gremien sollen zudem Initiativen ergreifen, damit nicht nur die eigene Kommunikation, sondern auch der 'gesamte Internetverkehr' Ende zu Ende verschlüsselt wird. Die Abgeordneten plädieren zudem dafür, IT-Systeme und deren Schwachstellen zu prüfen, Verträge mit Herstellern zu überdenken und verstärkt Open-Source-Software einzusetzen.“ Quelle: heise.de

 

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